Vorbilder

lichterkette_muenchenIm Herbst 1992 brannten in Deutschland die Häuser von Menschen, die hier Zuflucht suchten. Daraufhin mobilisierten vier Münchner Bürger Hunderte von Helfern und organisierten am 6. Dezember 1992 die erste Lichterkette in Deutschland. Mehr als 400 000 Menschen setzten mit Kerzen in der Hand ein in aller Welt beachtetes Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus.

Die Idee für die Lichterkette stammte von Gil Bachrach, Giovanni di Lorenzo, Christoph Fisser und Chris Häberlein.

Dem Zeichen, das die Lichterkette gesetzt hatte, mussten Taten folgen. Ein kleiner Kreis hat fernab der Scheinwerfer weiter gemacht. Strikt überparteilich und ehrenamtlich. Der gemeinnützige Verein Lichterkette e.V. entwickelt und unterstützt Projekte und Aktionen, die im Sinne der Völkerverständigung die Begegnung, den interkulturellen Austausch und das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft in München fördern.

Im Herbst 2007 trat die Lichterkette München an die Schule heran und schlug vor, gemeinsam ein Projekt „Vorbilder“ durchzuführen.
Zusammen mit den Lehrkräften der 7. Klassen wurde ein Konzept entwickelt. Dieses sieht vor, dass MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund, welche die Mittelschule durchlaufen haben und beruflich erfolgreich sind, ihren persönlichen Weg zum Erfolg in den 7. Klassen vorstellen. Dadurch soll den SchülerInnen Mut gemacht werden, sich ebenfalls ein Ziel zu setzen und dieses in kleinen Schritten zu verfolgen.
Die Reihe startete zum Beginn des Jahres 2008 und wird bis heute zwei- bis dreimal im Schuljahr durchgeführt. Für weitere Informationen geht es hier zur Vorbilder-Seite der Lichterkette.

Bisherige Vorbilder an der Mittelschule Wiesentfelser Straße

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Die Vorbilderreihe beginnt mit Serhad Güldürsün, der seine Erfolgsgeschichte den Siebtklässlern der Hauptschule an der Wiesentfelser Straße vorträgt. Als nächste erzählt Soraya Saracoglu ihren Lebensweg. Die Tochter türkischer Eltern erlernte bzw. übte drei Berufe aus. Jetzt möchte sie ein Modeatelier gründen.
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Stefan Kozlowski, der gerade seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker-Meister macht, empfiehlt den Schülern: Zuhause Deutsch sprechen, unbedingt den Quali machen und die Eltern um Unterstützung bitten. Im Frühjahr 2014 ist Herr Kozlowski noch einmal als Vorbild an der Schule und erzählt von seiner bewundernswerten Weiterentwicklung.
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Auch Edite Domingos, Claudia André und Helma Joao von der Girl-Band “Black Key Sis” beeindrucken die Klassen. Alle drei tanzen, seit sie fünf Jahre alt sind. Um Schulabschluss und Ausbildung kümmern sie sich mit großer Eigeninitiative. Phuong Nguyen stammt aus Vietnam und ist Kfz-Feinmechaniker-Meisterin bei BMW. Sie ermuntert vor allem die Mädchen, sich für technische Berufe zu interessieren.
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Nargiz Tursun ist Uigurin. Trotz belastender Umstände in einem Asylbewerberheim schafft sie Mittlere Reife und Abitur, geht dann an die FOS und studiert jetzt Soziale Arbeit. Um sich das Studium zu finanzieren, ist sie Übungsleiterin beim TSV Neuperlach und gibt Nachhilfestunden. Ihr Tipp an die Kinder: “Du musst ein Ziel haben, es gibt in Deutschland viele Möglichkeiten”.
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Seda Karaogullari ist Polizistin. Seda zieht mit Erlaubnis der Eltern früh von zu Hause aus und arbeitet neben der Ausbildung. Für die Schüler ist sie ein Vorbild, weil sie für ihre Ziele gekämpft hat, sehr sportlich ist und nie aufgegeben hat. In der Mitte Frau Gürtler von der Lichterkette. Amir Roughani fliegt als Elfjähriger allein aus dem Iran nach Berlin. Auf der Hauptschule setzt er alles daran, Deutsch zu lernen. Über den Sport findet der ehrgeizige junge Mann Anschluss an die deutsche Gesellschaft, lernt Disziplin und hält Leistungsdruck besser aus. Heute ist er erfolgreicher Unternehmer.
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Michael Wiese schafft trotz seiner Legasthenie und negativen Prophezeiungen der Lehrer den Quali und macht auf der FOS sein Fachabitur. Nach einer Weltreise studiert er Innenarchitektur und Bühnenbild und arbeitete schon für “Wetten dass” und in Hollywood. Was alles möglich ist, wenn man ein Ziel vor Augen hat und sich druch nichts entmutigen lässt, kann Michael den Schülern sehr farbig, fröhlich und lebendig erzählen. Und er bringt ein selbst gebautes Holzfahrrad mit.
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Nuray Hatun kommt mit 13 Jahren nach Deutschland und besucht eine Münchner Mittelschule. Sie versteht den Lehrer nicht, weil er bayrisch redet und bekommt schlechte Noten. Davon lässt sie sich aber nicht einschüchtern. Nach ihrem Hauptschul-abschluss macht sie ein Berufsvorbereitungsjahr, kommt in eine Qualiklasse und schließt den Quali mit guten Noten ab. Da sie schon als Kind viel mit der Mutter stickt und näht, absolviert sie ein Praktikum im Damenschneideratelier La Silhouette und beginnt dort eine Ausbildung, die sie erfolgreich abschließt. Nach zwei Jahren kehrt sie als Meisterin zurück zu La Silhouette. Nuray Hatun erzählt, dass sie hauptsächlich Deutsch durch Lesen und Fernsehen gelernt hat. Sie rät den Schülern, viele Praktika zu machen, um auszuprobieren, welcher Beruf für sie geeignet sein könnte.
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Hassan Ali Djan stammt aus Afghanistan. Mit 17 Jahren gelingt ihm die Flucht nach München. In der Schule muss er als Analphabet Lesen und Schreiben lernen. Er weiß, dass er Deutsch lernen muss, um sich in der Gesellschaft zurecht zu finden. Den qualifizierenden Hauptschulabschluss besteht er mit der Note 2,2. Er schafft seine Lehre als Gebäude-Elektrotechniker und ist nun Geselle. Den Kindern der 7. Klassen gibt Hassan den Rat, alle Möglichkeiten in der Schule zu nutzen und einen guten Abschluss zu machen. Das sei der Schlüssel zum Beruf.
Im Herbst 2013 beim bundesweiten Fortbildungstag der „Starken Schulen“ ist Hassan nochmal als Vorbild an der Schule. Gäste aus der ganzen BRD sind tief beeindruckt.
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Bayram Özkök wurde 1977 als Kind türkischer Einwanderer im Schwarzwald geboren. Während zu Hause nur türkisch gesprochen wurde, sprachen die 8 Geschwister untereinander nur Deutsch.
In der Grundschule hat er die 2. Klasse wiederholt. Sein erstes Erfolgserlebnis hat Bayram Özkök aber in der Mittelschule durch die Note 1 in Geschichte. Nach der Mittelschule besuchte Bayram die Berufsfachschule Metall. Dort habe er viel gelernt und hat dann das technische Gymnasium besucht und Abi gemacht, um schließlich ein duales Studium in Maschinenbau und Versorgungstechnik aufzunehmen. Heute arbeitet er als Betriebsingenieur bei einem Pharmakonzern.
Sein Rat : „Lernt die deutsche Sprache!“
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In diesem Jahr besuchte uns das Vorbild Frau Rechl, die mittlerweile als Schulsozialpädagogin in München arbeitet. Während eine sehr strenge und gemeine Lehrerin ihr bereits in der ersten Klasse jegliche Motivation insbesondere im Fach Mathematik raubte, kam die Lust an Schule mit einer neuen Lehrerin in der dritten Klasse zurück. Aufgrund einer nicht bestandenen Aufnahmeprüfung besuchte Frau Rechl die Hauptschule und brachte sich dort kreativ in das Schulleben mit ein. Sie bestand den Quali knapp und ging anschließend an eine weiterführende Klosterschule, auf der sie in Mathematik die Note 1 erreichte. Dort erlernte sie den Beruf der Hauswirtschafterin und hängte ein Studium an der Fachhochschule an, das sie 2006 mit Auszeichnung beendete.
In all dieser Zeit stand sie in enger Verbindung zu ihrem Onkel und ihrer Tante, die sie in jeder Lebenslage unterstützten und mit Rat und Tat zur Seite standen.
Kaloshi
Frau Kaloshi kam mit 6 Jahren nach Deutschland und wurde bereits nach kurzer Zeit eingeschult. Um die Sprache zu lernen, las sie Kinderbücher und orientierte sich in der Schule an ihren Mitschülern. Bereits nach der 6ten Klasse wechselte Frau Kaloshi auf die Realschule. Demotiviert von einem Lehrer, schrieb sie keine Bewerbungen, sondern begann ein Praktikum in einem Kindergarten.
Durch die Kinder gestärkt, begann sie die Erzieherausbildung an der Fachakademie, zeigte sich als Sprachtalent, machte einen Meisterabschluss und studierte im Anschluss Kindheitspädagogik.
Heute ist Frau Kaloshi Mutter von drei Kindern, spricht sechs Sprachen und leitet erfolgreich eine Kinderkrippe in München.